Was bewegt das Netz? Die 5 wichtigsten Internet-Trends im Januar 2010

31 Jan

Was bewegt das Netz? Unter diesem Titel werden in Zukunft alle vier Wochen die fünf wichtigsten und interessantesten Internet-Trends des Montas in kompakter Form aufgearbeitet. Den Ausgangspunkt für diese Serie stellt der Monat Januar mit den folgenden Themen dar:

  • Das iPad als Retter der Medienwirtschaft?
  • Nexus One: Googles “Door opener” für den Bereich Mobile Search
  • Location-as-a-Platform & Hyperlokale News
  • Soziale Netzwerke vs. Google und der Wandel vom Push- zum Pull-Marketing
  • Geschäftsmodelle: Groupon-Mania, Professional Services  und werbefinanzierte Erlösmodelle

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Das iPad als Retter der Medienwirtschaft?

Wohl kaum ein Produkt konnte im Vorfeld der eigentlichen Markteinführung eine so große Aufmerksamkeit wie das iPad von Apple entfachen. Die hohen Erwartungen an dieses Gerät spiegeln sich unter anderem darin wider, dass traditionelle Medienhäuser im iPad bereits einen Ausweg aus der Medienkrise sehen. Exemplarisch hierfür sei die New York Times genannt, die bereites eine eigene Abteilung aufgebaut hat, um Inhalte für das iPad zu produzieren. Bei genauerer Betrachtung wirkt dieses Vorpreschen allerdings ehr verzweifelt als visionär: Letztendlich begibt sich die New York Times mit diesem Schritt freiwillig in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einem proprietären Gerätehersteller, für den das iPad lediglich ein Instrument darstellt, um die Vormachtstellung von iTunes als Vertriebsplattform für digitale Inhalte weiter auszubauen. Bei den Inhalten als solches stellen traditionelle Verlagsinhalte mit Sicherheit auch nur ein interessantes Nebengeschäft für Apple dar. Weitaus interessanter dürfte das Geschäft mit Bewegtbildern sein, die immer häufiger und länger von einem rasant steigenden Teil der Internetnutzer konsumiert werden und denen ein enormes Umsatzpotenzial konstantiert wird: “Online video is where search was in 1999“. Folgt man dieser Hypothese, dann hat Apple diesen Nutzern mit dem iPad ein schickes Endgerät zum mobilen Konsum von Bewegtbildinhalten an die Hand gegeben und mit CBS und Disney sind bereits die ersten Lieferanten hochwertiger Inhalte an Board. Als Buchersatz werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit hingegen solche Endgeräte durchsetzen, die auf dem augenfreundlicherem Konzept der elektronischen Tinte aufbauen.

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Nexus One: Googles “Door Opener” fuer den Bereich Mobile Search

Ähnlich wie der iPad als Absicherung der Vormachtstellung von iTunes dient, soll das Nexus One die Dominanz von Google im stationären Internet auf den Bereich der mobilen Suche ausdehnen; einer bislang nur wenig genutzten Anwendungskategorie im Mobile Web. Dieses Problem soll das Nexus One auf folgendem Wege lösen: Anstelle der  komplizierten Texteingabe über kleine Bildschirme, werden Suchbefehle einfach per Sprache eingegeben. Gleichzeitig berücksichtigt das NexusOne den Standort des Nutzers bei der Generierung der Suchergebisliste. Google steigt mit dem Nexus One somit weniger in das Hardwargeschäft ein, sondern stellt den Anwendern ein Gerät zur Verfügung, um sein Erfolgsprodukt AdSense vom stationären in das mobile Internet zu überführen. Entsprechend wird bei Netzwertig herausgestellt:

“Im Jahr 2013 werden mehr Menschen mit dem Handy online gehen als mit einem PC. Bis dann muss Google den Mobiltelefon-Anwendermarkt ebenso beherrschen wie den am PC – und das Nexus One ist der “Proof of Concept”, dass die Technik dafür reif ist”.

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Location-as-a-Platform und Hyperlokale News

Das Read Write Web hat jüngst die Ära „Location-as-a-Plattform eingeläutet. Im Kern geht es dabei um die Nutzung der durch die  „Check-in-Funktionen“ von Diensten wie Fourquare und Gowalla generierten Daten; diese Dienste ermöglichen es ihren Anwendern über Mobiltelefone an bestimmten Orten (z. B. Restaurants, Kinos, Wohnungen, Plätzen, usw.) virtuell „einzuchecken“, um auf diesem Wege ihrem Netzwerk mitteilen, wo sie sich gerade aufhalten und welche Orte sie häufig aufsuchen. Auf dieser Informationsbasis setzen nun zunehmend Unternehmen auf, um entsprechende Mehrwertdienste anzubieten. Exemplarisch hierfür sei die kanadische Zeitungskette Metro genannt, die den Anwendern in Abhängigkeit ihrer Position lokale Nachrichten und Informationen zustellen. In Kern stellen Foursquare & Co. damit – bewusst oder unbewusst – eine idealtypsiche Datenbasis zur Umsetzung des Konzepts hyperlokaler Nachrichten zur Verfügung, das in Deutschland vor allem durch das Projekt Buzzriders von Robert bekannt wurde.

In eine ähnliche Richtung wie die oben genannten Dienste geht auch MyTown, einer Art Monopoly in der echten Welt. Ähnlich wie bei Fourquare checken die Spieler auch hier an bestimmten Orten ein, die sie anschließend „in Besitz“ nehmen. Betreten andere Spieler im nächsten Schritt einen solchen Ort, müssen sie eine Mietgebühr entrichten. Das Erlösmodell von MyTown basiert dabei auf einer in-app Kauffunktion, um bestimmte Spielzüge zu beschleunigen. Damit setzt MyTwon auf ein Erlösmodell, dass sich bereits bei Online Spielen wie World of Warcraft & Co. bewährt hat: Verfügen die Spieler nicht über hinreichend Zeit, um ihre Spielfigur entsprechend aufzubauen, können sie ihr Zeitdefizit durch den Zukauf kostenpflichtiger Zusatzfunktionen kompensieren.

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Soziale Netzwerke vs. Google und der Wandel vom Push- zum Pull-Marketing

In Australien hat der Traffic von Sozialen Netzwerken erstmals den Traffic von Suchmaschinen übertroffen – eine auf den ersten Blick nicht sonderlich interessant klingende Schlagzeile. Bei genauerer Betrachtung deutet sich damit jedoch eine Machtverschiebung dahingehend an, wie Anwenderströme zukünftig im Internet auf verschiedene Webseiten kanalisiert werden. Warum ist das bemerkenswert? Zum einen könnte die Dominanz von Google als Trafficlieferant in Zukunft stark abnehmen.  Zum anderen wird es für Unternehmen immer wichtiger, in den Lifestream eines Anwenders aufgenommen zu werden, um auf diesem Wege Kontakt zu seinem Netzwerk zu erhalten und Traffic auf die eigene Seite zu “ziehen”.  Anders formuliert: Unternehmen stehen im Zeitalter des Social Webs immer mehr vor der Herausforderung, ihre Marketingaktivitäten grundlegend anzupassen, indem sie den Wechsel vom Push-Marketing zum Pull-Marketing vollziehen. Genau an dieser Stelle scheitern gegenwärtig jedoch die meisten deutschen Unternehmen, die das Thema Social Media weitestgehend ignorieren.

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Geschaeftsmodelle: Groupon-Mania, Professional Services  und werbefinanzierte Erloesmodelle

Den Preis für das meistkopierte Geschäftsmodell hat im Januar ohne Zweifel Groupon gewonnen. Alleine in Deutschland sind binnen weniger Wochen mit Citydeal, DailyDeal, Reduti.de, CoupoMania, iKapon, UnserDeal, Heimatpreis, CooleDeals und Teambon fast ein Duzend Groupon-Klons an den Start getreten; über das Für und Wider solcher Klone wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. Erwähnenswerte sind an dieser Stelle daher auch vielmehr Dienste wie ScoutMob, der das Prinzip von Groupon  & Woot vom stationären auf das mobile Internet übertragen und sich damit klar von den vorhandenen Klonen abgrenzen.

Neben der Groupon-Mania ist mir persönlich der Dienst MyGengo in Erinnerung geblieben, der die Idee von Amazons Mechanical Turk auf den Markt für Übersetzungsdienstleistungen überträgt. Mehr als 600 zertifizierte Dolmetscher sind dieser Plattform bereits angeschlossen und auch das Erlösmodell scheint plausibel: In Abhängigkeit der gewünschten Qualität und erforderlichen Zeit für die Übersetzung, können die Kunden aus verschiedenen Preisstaffeln wählen. Innerhalb weniger Stunden erhalten sie anschließend die eigentliche Übersetzung. Vom Prinzip her handelt es sich bei MyGengo somit um einen Intermediär, der bestimmte Daten zur Vermittlung von Dienstleistungen im Bereich Professional Services aggregiert. Der weltweite Markt für Übersetzungsdienstleistungen ist mit einem Marktvolumen von rund US-$ 3 Milliarden grundsätzlich auch interessant. Ebenso spannend sind meines Erachtens jedoch die Möglichkeiten, die mit einer Adaption dieses Geschäftsmodells auf andere Dienstleistungsbereiche einhergehen; lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Beitrag von Alex zum Thema Ideen für Geschäftsideen 2010.

Schlechte Neuigkeiten gibt es schließlich für Unternehmen, deren Erlösmodelle maßgeblich auf Online Werbung aufbauen: Die Tausenderkontaktpreise befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Von dieser Entwicklung sind gleichermaßen die Vermarkter betroffen, deren Margen zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen werden. Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Margen bei letztgenannten noch stärker unter Druck geraten, da kein anderer als Google hat seinen Eintritt in den Markt für Displaywerbung angekündigt.

Kategorie 2008
2009
2010
Definition
TKP brutto 20 € 18 € 14 € durchschnittlicher Preis für Online-Werbeflächen in Deutschland gemäß Preisliste der Vermarkter
TKP netto 14 € 4 € 5 € durchschnittlicher Preis für Online-Werbeflächen in Deutschland der Vermarkter nach allen Rabatten
CPCs 0,38 € 0,25 € 0,27 € Durchschnittlicher Cost per Click
Auslastung 45 % 30 % 32 % Anteil der verfügbaren AdImpressions, die vom Website-Betreiber bzw. dessen exklusivem Erstvermarkter verkauft wurden
Click Rates 0,2 % 0,2 % 0,2 % AdClicks / AdImpressions
Conversion Rates 1,5 % 1,5 % 1,5 % Online-Sales / AdClicks

Quelle: iBusiness

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