What it means to be a great company

Was zeichnet ein großartiges Unternehmen aus? Zu diesem Thema hielt Fred Wilson – gegenwärtig einer der bekanntesten Venture-Capital-Geber im Internet-Umfeld – einen Vortrag auf dem SeedCamp2009, durch den ich bei Exciting Commerce aufmerksam wurde. Inhaltlich stellt dieser Vortrag eine durchaus inspirierende Ergänzung zu der in letzter Zeit immer häufiger angesprochenen Innovations- und Copy-Cat-Problematik der deutschen Internetwirtschaft dar (vgl. hierzu z. B. Exciting Commerce, Netzwertig), wo jüngst das Rennen um den besten Groupon-Klon eröffnet wurde (vgl. Kassenzone). Nicht zuletzt aus diesem Grund erscheint es interessant, die zentralen Aussagen dieses Vortrags zu übersetzen und in Form eines kurzen Beitrags aufzuarbeiten. Die dabei angesprochenen Merkmale „großartiger Unternehmen“ lassen sich vier Themenbereichen zuordnen, die mit der

  • Bedeutung des Unternehmertums, dem
  • Erhalt der Innovationsfähigkeit, der
  • Akzentuierung langfristiger Unternehmensinteressen sowie der
  • Kundenfokussierung/-wertschätzung zusammenhängen.

Was sind vor diesem Hintergrund nun die Merkmale, die großartige Unternehmen aufweisen?

Merkmal 1: Good companies are build to last!

Seit mehreren Jahren lässt sich erkennen, dass immer mehr Copy Cats den Markt überfluten. Dahinter steht nicht selten die Absicht, einen schnellen Exit zu realisieren. Die so genannte E-Commerce-Offensive der Samwers ist sicherlich eines der bekanntesten Beispiele für einen solchen Ansatz in Deutschland, wo neue E-Commerce-Ansätze ebenso schnell aufgebaut wie verworfen werden. Wilson stellt in diesem Zusammenhang die Frage, wie solche Unternehmen ernsthaft ein exzellentes und nachhaltiges Produkt entwickeln können, wenn die Gründer nur nach einem kurzfristigen Exit streben. Daher investiere er nur in solche Unternehmen, deren Management-Team keine Zweifel daran lässt, ein nachhaltiges und wirtschaftliches Wachstum zu forcieren. Grundsätzlich finden zwar auch immer wieder Copy Cats Investoren, so Wilson. Die betreffenden Klone stehen jedoch häufig bereits nach kurzer Zeit vor der Herausforderung, sich in einem äußerst wettbewerbsintensiven Wettbewerbsumfeld behaupten zu müssen – ohne dass ein echten Mehrwert im Konkurrenzvergleich für den Anwender erkennbar ist. Treffend hält Wilson fest, dass großartige Unternehmen gewöhnlich eine große Idee erfinden und nicht kopieren, womit wir zum zweiten Merkmal großartiger Unternehmen kommen.

Merkmal 2: Great companies are constantly innovating!

Großartige Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Innovationsfähigkeit stetig in Form neuer Produktideen und Prototypen unter Beweis stellen. Allerdings gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Fähigkeit dauerhaft zu erhalten. Da mit dem zunehmenden Unternehmenswachstum der Bürokratie- und Koordinationsaufwand steigt, steht insbesondere auch den Gründern – die sich in einer frühen Phase der Unternehmensgründung vordergründig auf die Entwicklung und Realisierung neuer Produktideen konzentrieren – immer weniger Zeit für Innovationen zur Verfügung. Ihr Aufgabenfeld verschiebt sich vielmehr von der Ideenrealisierung zur Ideenverwaltung; damit umschreibt Wilson implizit ein Phänomen, dass in der Soziologie als Parkinsonsches Gesetz bekannt ist. Bereits ein Start-up muss sich daher mit der Frage beschäftigen, wie es seine Innovationsfähigkeit langfristig erhalten kann, auch wenn momentan noch keine Anzeichen für Innovationsprobleme erkennbar sind. Zentral für den Erhalt der Innovationsfähigkeit ist nach Wilson vor allem die Fähigkeit, schlechte Ideen schell zu verwerfen und sich von Rückschlägen nicht abschrecken zu lassen. Genau in diesem Punkt sieht Wilson auch den „Spirit des Valleys“ begründet. Anders formuliert: Frühzeitiges und bewusstes scheitern ist eine durchaus erstrebenswerte Eigenschaft. Zum einen lässt sich auf diesem Wege sicherstellen, dass nicht unnötige Ressourcen für durchschnittliche Produktideen beansprucht werden. Zum anderen ist es nicht unüblich, dass unrealistische Ideen häufig auch einen Anstoß für großartige Ideen geben können. Entsprechend hält Wilson fest: „Fail fast. If the idea does not work: Give it up“ – diese Aussage unterstreicht noch einmal die bereits an anderer Stelle angesprochene strategische Bedeutung von Prototypen in der Softwareentwicklung.

Merkmal 3: Great companies are lead by entrepreneurs that make decisions based on long term business needs!

Das Ziel der Unternehmenstätigkeit besteht nicht darin, am Ende des Geschäftsjahres ein Gewinn in Höhe von US-$ 5 Millionen zu erwirtschaften. Großartige Unternehmen und deren Entscheider gehen vielmehr der Frage nach, wie sie in fünf Jahren einen Gewinn in Höhe von US-$ 500 Millionen realisieren, so Wilson. Ein Ansatz um diese langfristige Denkweise zu forcieren sieht er unter anderem darin, die Provisionen von Top-Entscheidern an die langfristige Entwicklung des Unternehmens zu koppeln – eine nicht grundsätzlich neue Erkenntnis. Bedeutsamer als die eigentliche Incentivierung der Entscheidungsträger sei es jedoch, dass diese aus intrinsischen Motiven das Unternehmen langfristig vorantreiben. Dieses Ziel können sie sowohl als Geschäftsführer aber auch als „graue Eminenz“ im Hintergrund erreichen. Letztgenannter Fall zielt dabei auf den Umstand ab, dass zahlreiche Gründer nach gewisser Zeit durch externe Geschäftsführer ersetzt werden. Nach Wilson müsse so eine Maßnahme jedoch nicht bedeuten, dass sich die Gründer aus dem Geschäft zurückziehen. Erstrebenswerter sei es, wenn sie im Unternehmen verbleiben, um die langfristige Umsetzung ihrer Produktidee sicherzustellen. Ein Unternehmen kann zwar auch ohne den Gründer erfolgreich und langfristig am Markt bestehen: Im Idealfall sollte dieser Weg jedoch gemeinsam bestritten werden.

Merkmal 4: Great Companies always put the user in first place (…) and infect their customers with their brand!

Den entscheidenden Punkt für den langfristigen Unternehmenserfolg sieht Wilson schließlich darin, dass großartige Unternehmen den Kunden immer an vorderste Stelle rücken. Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage ebenso selbstverständlich wie trivial. So wird mit hoher Wahrscheinlichkeit jedes Unternehmen betonen, den Kunden stets in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Blick in die Praxis zeigt aber auch, dass dies nur wenigen Unternehmen wirklich gelingt. Gerade in größeren Unternehmen verbringen die Produktverantwortlichen einen immer größer werdenden Teil ihrer Arbeitszeit damit, die Interessen interner Stakeholder zu befriedigen. Dieser Umstand wurde jüngst auch von der Silicon Valley Software Group angesprochen und kritisiert: „The job of the product manager devolves into one of documenting stakeholder requirements, mediating conflicting objectives, and allocating the limited developer resources to try to satisfy as many of the stakeholders as possible“. Für den eigentlichen Endkunden verbleibt jedoch immer weniger Zeit. Großartige Unternehmen zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie im Zweifelsfall stets die Kunden und nicht die internen Stakeholder in den Vordergrund rücken.

Jetzt gilt es natürlich die Frage zu beantworten, wer von uns in einem großartigen Unternehmen arbeitet : -)

Was zeichnet ein großartiges Unternehmen aus? Zu diesem Thema hielt Fred Wilson – gegenwärtig einer der bekanntesten Venture-Capital-Geber im Internet-Umfeld – einen Vortrag auf dem SeedCamp2009. Inhaltlich stellt dieser Vortrag eine durchaus inspirierende Ergänzung zu der in letzter Zeit immer häufiger angesprochenen Innovations- und Copy-Cat-Problematik der deutschen Internetwirtschaft dar (vgl. z. B. Exciting Commerce, Kassenzone, Netzwertig). Daher erscheint es interessant, die zentralen Aussagen dieses Vortrags zu übersetzen und in Form eines kurzen Beitrags aufzuarbeiten. Die in diesem Zusammenhang angesprochenen Merkmale großartiger Unternehmen lassen sich dabei vier Themenbereichen zuordnen, die mit der
Bedeutung des Unternehmertums, dem
Erhalt der Innovationsfähigkeit, der
Akzentuierung langfristiger Unternehmensinteressen sowie der
Kundenfokussierung/-wertschätzung zusammenhängen.
Was sind vor diesem Hintergrund nun die Merkmale, die großartige Unternehmen aufweisen?
Merkmal 1: Good companies are build to last!
Seit mehreren Jahren lässt sich erkennen, dass immer mehr Copy Cats den Markt überfluten. Dahinter steht nicht selten die Absicht, einen schnellen Exit zu realisieren. Die so genannte E-Commerce-Offensive der Samwers ist sicherlich eines der bekanntesten Beispiele für einen solchen Ansatz in Deutschland, wo neue E-Commerce-Ansätze ebenso schnell aufgebaut wie verworfen werden. Wilson stellt in diesem Zusammenhang die Frage, wie solche Unternehmen ernsthaft ein exzellentes und nachhaltiges Produkt entwickeln können, wenn die Gründer nur nach einem kurzfristigen Exit streben. Daher investiere er nur in solche Unternehmen, deren Management-Team keine Zweifel daran lässt, ein nachhaltiges und wirtschaftliches Wachstum zu forcieren. Grundsätzlich finden zwar auch immer wieder Copy Cats Investoren, so Wilson. Die betreffenden Klone stehen jedoch häufig bereits nach kurzer Zeit vor der Herausforderung, sich in einem äußerst wettbewerbsintensiven Wettbewerbsumfeld behaupten zu müssen – ohne dass ein echten Mehrwert im Konkurrenzvergleich für den Anwender erkennbar ist. Treffend hält Wilson fest, dass großartige Unternehmen gewöhnlich eine große Idee erfinden und nicht kopieren, womit wir zum zweiten Merkmal großartiger Unternehmen kommen.
Merkmal 2: Great companies are constantly innovating!
Großartige Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Innovationsfähigkeit stetig in Form neuer Produktideen und Prototypen unter Beweis stellen. Allerdings gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Fähigkeit dauerhaft zu erhalten. Da mit dem zunehmenden Unternehmenswachstum der Bürokratie- und Koordinationsaufwand steigt, steht insbesondere auch den Gründern – die sich in einer frühen Phase der Unternehmensgründung vordergründig auf die Entwicklung und Realisierung neuer Produktideen konzentrieren – immer weniger Zeit für Innovationen zur Verfügung. Ihr Aufgabenfeld verschiebt sich vielmehr von der Ideenrealisierung zur Ideenverwaltung; damit umschreibt Wilson implizit ein Phänomen, dass in der Soziologie als Parkinsonsches Gesetz bekannt ist. Bereits ein Start-up muss sich daher mit der Frage beschäftigen, wie es seine Innovationsfähigkeit langfristig erhalten kann, auch wenn momentan noch keine Anzeichen für Innovationsprobleme erkennbar sind. Zentral für den Erhalt der Innovationsfähigkeit ist nach Wilson vor allem die Fähigkeit, schlechte Ideen schell zu verwerfen und sich von Rückschlägen nicht abschrecken zu lassen. Genau in diesem Punkt sieht Wilson auch den „Spirit des Valleys“ begründet. Anders formuliert: Frühzeitiges und bewusstes scheitern ist eine durchaus erstrebenswerte Eigenschaft. Zum einen lässt sich auf diesem Wege sicherstellen, dass nicht unnötige Ressourcen für durchschnittliche Produktideen beansprucht werden. Zum anderen ist es nicht unüblich, dass unrealistische Ideen häufig auch einen Anstoß für großartige Ideen geben. Entsprechend hält Wilson fest: „Fail fast. If the idea does not work: Give it up“ – diese Aussage unterstreicht noch einmal die bereits an anderer Stelle angesprochene strategische Bedeutung von Prototypen in der Softwareentwicklung.
Merkmal 3: Great companies are lead by entrepreneurs that make decisions based on long term business needs!
Das Ziel der Unternehmenstätigkeit besteht nicht darin, am Ende des Geschäftsjahres ein Gewinn in Höhe von US-$ 5 Millionen zu erwirtschaften. Großartige Unternehmen und deren Entscheider gehen vielmehr der Frage nachgehen, wie sie in fünf Jahren einen Gewinn in Höhe von US-$ 500 Millionen Gewinn realisieren, so Wilson. Ein Ansatz um diese langfristige Denkweise zu forcieren sieht er unter anderem darin, die Provisionen von Top-Entscheidern an die langfristige Entwicklung des Unternehmens zu koppeln – eine nicht grundsätzlich neue Erkenntnis. Bedeutsamer als die eigentliche Incentivierung der Entscheidungsträger sei es jedoch, dass diese aus intrinsischen Motiven das Unternehmen langfristig vorantreiben. Dieses Ziel können sie sowohl als Geschäftsführer aber auch als „graue Eminenz“ im Hintergrund erreichen. Letztgenannter Fall zielt dabei auf den Umstand ab, dass zahlreiche Gründer nach gewisser Zeit durch externe Geschäftsführer ersetzt werden. Nach Wilson müsse so eine Maßnahme jedoch nicht bedeuten, dass sich die Gründer aus dem Geschäft zurückziehen. Erstrebenswerter sei es, wenn sie im Unternehmen verbleiben, um die langfristige Umsetzung ihrer Produktidee sicherzustellen. Ein Unternehmen kann zwar auch ohne den Gründer erfolgreich und langfristig am Markt bestehen: Im Idealfall sollte dieser Weg jedoch gemeinsam bestritten werden, so Wilson.
Merkmal 4: Great Companies always put the user in first place (…) and infect their customers with their brand!
Den entscheidenden Punkt für den langfristigen Unternehmenserfolg sieht Wilson schließlich darin, dass großartige Unternehmen den Kunden immer an vorderste Stelle rücken. Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage ebenso selbstverständlich wie trivial. So wird mit hoher Wahrscheinlichkeit jedes Unternehmen betonen, den Kunden stets in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Blick in die Praxis zeigt aber auch, dass dies nur wenigen Unternehmen gelingt. Gerade in größeren Unternehmen verbringen die Produktverantwortlichen einen immer größer werdenden Teil ihrer Arbeitszeit damit, die Interessen interner Stakeholder zu befriedigen. Dieser Umstand wurde jüngst auch von der Silicon Valley Software Group angesprochen und kritisiert: „The job of the product manager devolves into one of documenting stakeholder requirements, mediating conflicting objectives, and allocating the limited developer resources to try to satisfy as many of the stakeholders as possible“. Für den eigentlichen Endkunden verbleibt jedoch immer weniger Zeit. Großartige Unternehmen zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie im Zweifelsfall stets die Kunden und nicht die internen Stakeholder in den Vordergrund rücken.
Jetzt gilt es natürlich die Frage zu beantworten, wer von uns in einem großartigen Unternehmen arbeitet :-)

Seedcamp Week ’09. Day 4. Masterclass with Fred Wilson from Seedcamp on Vimeo.

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