Die strategische Bedeutung von Klick-Prototypen!
7 Nov
Klick-Prototypen haben eine strategische Bedeutung! Eine bewusst provokant gewählte Überschrift für diesen Blogbeitrag, nicht zuletzt da Klick-Prototypen damit auf die gleiche Ebene wie die Produktstrategie gestellt werden. Bei genauerer Betrachtung ist dieser Vergleich aber durchaus gerechtfertigt, nicht zuletzt da nach wie vor zahlreiche Produkte nach dem Wasserfallmodell entwickelt werden, ohne die Kunden in den Entwicklungsprozess zu integrieren: In der knapp 20-jährigen Geschichte des Internets hat sich allerdings mehrfach gezeigt, dass auf diesem Wege Produkte mit großer Wahrscheinlichkeit an den Bedürfnissen der Anwender vorbei entwickelt werden. Für ein Start-up bedeutet dies in der Regel das Aus. Aber auch etablierte Unternehmen müssen in so einer Situation beachtliche Verluste in Kauf nehmen, z. B. in Form von Gewinnausfällen oder Imageverlusten. Klick-Prototypen können in frühen Phasen der Produktentwicklung einen Beitrag leisten, diese Risiken zu mindern. Aber auch aus anderen Gründen leisten Klick-Prototypen wertvolle Hilfe im Entwicklungsprozess:
- Prototypen erlauben es in sehr frühen Phasen des Entwicklungsprojektes, dass Produktkonzept mit Anwendern zu testen.
- Ebenso dienen sie als Gesprächsgrundlage mit der Softwareentwicklung, um die technische Machbarkeit zu diskutieren.
- Im Kick-off Meeting lassen sich auf Grundlage eines Prototypen die Projektziele deutlich prägnanter darstellen, als es in Form einer traditionellen PowerPoint Präsentation möglich wäre.
- In der Produktentwicklung geben Prototypen für die Entwickler wertvolle Hinweise, wie ein Produkt auf bestimmte Aktionen der Anwender reagieren soll.
- Aus dem gleichen Grund ist es auch für die Qualitätssicherung deutliche einfacher Test Cases zu schreiben.
- Im Gegensatz dazu ist es auf Basis einer traditionellen und schriftlichen Produktspezifiktion so gut wie unmöglich, dieses Verhalten exakt und in kompakter Form zu beschreiben.
- Schließlich leisten Prototypen einen signifikanten Beitrag, um die Projektkosten zu senken und die anvisierten Termine einzuhalten, da z. B. Usability-Tests vor dem eigentlichen Entwicklungsstart durchgeführt werden können. Aus diesem Grund kommt es während der eigentlichen Produktentwicklung zu deutlich weniger Änderungswünschen, aufgrund derer in der Vergangenheit zahlreiche Entwicklungsprojekte Schiffbruch erlitten.
Vor diesem Hintergrund sprechen sich Branchenexperten immer häufiger dafür aus, dass solche Prototypen den Ausgangspunkt jedes Entwicklungsprojektes darstellen und auch die traditionelle Produktspezifikation in Form eines Word Dokuments ersetzen sollten. Für die Erstellung des eigentlichen Prototypen bedarf es dabei nur weniger Personen, die jedoch mit den Themen Interaction Design, Visual Design, Rapid Prototyping und dem Usability Engineering vertraut sein müssen. Mit der Kenntnis dieser Fachgebiete ist es relativ einfach, auf Basis eines Prototypen-Tools – wie z. B. Axure – die Produktidee in ein testbares Konzept zu überführen. Die Mitwirkung der Softwareentwicklung ist in diesem Zusammenhang in der Regel noch nicht erforderlich, da Prototypen mehrheitlich keine echten Funktionalitäten und Daten erfordern. Die Daten und Inhalte werden vielmehr simuliert, um ohne größeren Aufwand zu einem Prototypen zu gelangen, der bestimmte Funktionen realitätsnah abbildet und als Grundlage für Usability-Tests fungiert. Zur Erstellung des eigentlichen Prototypen werden alle Bestandteile des anvisierten Produktes, wie z. B. die einzelnen Seiten- und Navigationselemente, mit einem Prototypen-Tool erstellt, mit den entsprechenden Menüs beschriftet und gegebenenfalls mit ersten Designentwürfen angereichert. Auf dieser Grundlage ist es in zeitnah möglich, ein realitätsnahes Abbild des anvisierten Produktes zu erstellen. Im Zuge von Nutzertests sind solche Prototypen im nächsten Schritt so lange iterativ zu präzisieren und optimieren, bis die Anwender die grundlegenden User Stories bzw. Nutzungsszenarien ohne größere Probleme verstehen.
Ungeachtet dieser Vorteile spielen Prototypen in der Softwarebrache nach wie vor eine untergeordnete Rolle, obwohl sie gerade für den Einsatz in diesem Umfeld prädestiniert sind. In dieser Hinsicht kann die Internetbranche selbst von traditionellen Wirtschaftszweigen noch viel lernen: So wäre es in der Automobilindustrie beispielsweise vollkommen undenkbar, eine Neuproduktentwicklung anzustoßen, ohne das anvisierte Fahrzeug zuvor in Form eines virtuellen oder physischen Prototypen zu testen.
Anmerkung: Das Bild dieses Artikels stammt von AutoScout24, wo zur Erstellung von “Autowissen” ebenfalls ein Prototyp zum Einsatz kam; viele Grüße übrigens an dieser Stelle an die ehemaligen Kollegen



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