Was bewegt das Netz? Die 5 wichtigsten Internet-Trends im Januar 2010

31 Jan

Was bewegt das Netz? Unter diesem Titel werden in Zukunft alle vier Wochen die fünf wichtigsten und interessantesten Internet-Trends des Montas in kompakter Form aufgearbeitet. Den Ausgangspunkt für diese Serie stellt der Monat Januar mit den folgenden Themen dar:

  • Das iPad als Retter der Medienwirtschaft?
  • Nexus One: Googles “Door opener” für den Bereich Mobile Search
  • Location-as-a-Platform & Hyperlokale News
  • Soziale Netzwerke vs. Google und der Wandel vom Push- zum Pull-Marketing
  • Geschäftsmodelle: Groupon-Mania, Professional Services  und werbefinanzierte Erlösmodelle

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Das iPad als Retter der Medienwirtschaft?

Wohl kaum ein Produkt konnte im Vorfeld der eigentlichen Markteinführung eine so große Aufmerksamkeit wie das iPad von Apple entfachen. Die hohen Erwartungen an dieses Gerät spiegeln sich unter anderem darin wider, dass traditionelle Medienhäuser im iPad bereits einen Ausweg aus der Medienkrise sehen. Exemplarisch hierfür sei die New York Times genannt, die bereites eine eigene Abteilung aufgebaut hat, um Inhalte für das iPad zu produzieren. Bei genauerer Betrachtung wirkt dieses Vorpreschen allerdings ehr verzweifelt als visionär: Letztendlich begibt sich die New York Times mit diesem Schritt freiwillig in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einem proprietären Gerätehersteller, für den das iPad lediglich ein Instrument darstellt, um die Vormachtstellung von iTunes als Vertriebsplattform für digitale Inhalte weiter auszubauen. Bei den Inhalten als solches stellen traditionelle Verlagsinhalte mit Sicherheit auch nur ein interessantes Nebengeschäft für Apple dar. Weitaus interessanter dürfte das Geschäft mit Bewegtbildern sein, die immer häufiger und länger von einem rasant steigenden Teil der Internetnutzer konsumiert werden und denen ein enormes Umsatzpotenzial konstantiert wird: “Online video is where search was in 1999“. Folgt man dieser Hypothese, dann hat Apple diesen Nutzern mit dem iPad ein schickes Endgerät zum mobilen Konsum von Bewegtbildinhalten an die Hand gegeben und mit CBS und Disney sind bereits die ersten Lieferanten hochwertiger Inhalte an Board. Als Buchersatz werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit hingegen solche Endgeräte durchsetzen, die auf dem augenfreundlicherem Konzept der elektronischen Tinte aufbauen.

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Nexus One: Googles “Door Opener” fuer den Bereich Mobile Search

Ähnlich wie der iPad als Absicherung der Vormachtstellung von iTunes dient, soll das Nexus One die Dominanz von Google im stationären Internet auf den Bereich der mobilen Suche ausdehnen; einer bislang nur wenig genutzten Anwendungskategorie im Mobile Web. Dieses Problem soll das Nexus One auf folgendem Wege lösen: Anstelle der  komplizierten Texteingabe über kleine Bildschirme, werden Suchbefehle einfach per Sprache eingegeben. Gleichzeitig berücksichtigt das NexusOne den Standort des Nutzers bei der Generierung der Suchergebisliste. Google steigt mit dem Nexus One somit weniger in das Hardwargeschäft ein, sondern stellt den Anwendern ein Gerät zur Verfügung, um sein Erfolgsprodukt AdSense vom stationären in das mobile Internet zu überführen. Entsprechend wird bei Netzwertig herausgestellt:

“Im Jahr 2013 werden mehr Menschen mit dem Handy online gehen als mit einem PC. Bis dann muss Google den Mobiltelefon-Anwendermarkt ebenso beherrschen wie den am PC – und das Nexus One ist der “Proof of Concept”, dass die Technik dafür reif ist”.

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Location-as-a-Platform und Hyperlokale News

Das Read Write Web hat jüngst die Ära „Location-as-a-Plattform eingeläutet. Im Kern geht es dabei um die Nutzung der durch die  „Check-in-Funktionen“ von Diensten wie Fourquare und Gowalla generierten Daten; diese Dienste ermöglichen es ihren Anwendern über Mobiltelefone an bestimmten Orten (z. B. Restaurants, Kinos, Wohnungen, Plätzen, usw.) virtuell „einzuchecken“, um auf diesem Wege ihrem Netzwerk mitteilen, wo sie sich gerade aufhalten und welche Orte sie häufig aufsuchen. Auf dieser Informationsbasis setzen nun zunehmend Unternehmen auf, um entsprechende Mehrwertdienste anzubieten. Exemplarisch hierfür sei die kanadische Zeitungskette Metro genannt, die den Anwendern in Abhängigkeit ihrer Position lokale Nachrichten und Informationen zustellen. In Kern stellen Foursquare & Co. damit – bewusst oder unbewusst – eine idealtypsiche Datenbasis zur Umsetzung des Konzepts hyperlokaler Nachrichten zur Verfügung, das in Deutschland vor allem durch das Projekt Buzzriders von Robert bekannt wurde.

In eine ähnliche Richtung wie die oben genannten Dienste geht auch MyTown, einer Art Monopoly in der echten Welt. Ähnlich wie bei Fourquare checken die Spieler auch hier an bestimmten Orten ein, die sie anschließend „in Besitz“ nehmen. Betreten andere Spieler im nächsten Schritt einen solchen Ort, müssen sie eine Mietgebühr entrichten. Das Erlösmodell von MyTown basiert dabei auf einer in-app Kauffunktion, um bestimmte Spielzüge zu beschleunigen. Damit setzt MyTwon auf ein Erlösmodell, dass sich bereits bei Online Spielen wie World of Warcraft & Co. bewährt hat: Verfügen die Spieler nicht über hinreichend Zeit, um ihre Spielfigur entsprechend aufzubauen, können sie ihr Zeitdefizit durch den Zukauf kostenpflichtiger Zusatzfunktionen kompensieren.

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Soziale Netzwerke vs. Google und der Wandel vom Push- zum Pull-Marketing

In Australien hat der Traffic von Sozialen Netzwerken erstmals den Traffic von Suchmaschinen übertroffen – eine auf den ersten Blick nicht sonderlich interessant klingende Schlagzeile. Bei genauerer Betrachtung deutet sich damit jedoch eine Machtverschiebung dahingehend an, wie Anwenderströme zukünftig im Internet auf verschiedene Webseiten kanalisiert werden. Warum ist das bemerkenswert? Zum einen könnte die Dominanz von Google als Trafficlieferant in Zukunft stark abnehmen.  Zum anderen wird es für Unternehmen immer wichtiger, in den Lifestream eines Anwenders aufgenommen zu werden, um auf diesem Wege Kontakt zu seinem Netzwerk zu erhalten und Traffic auf die eigene Seite zu “ziehen”.  Anders formuliert: Unternehmen stehen im Zeitalter des Social Webs immer mehr vor der Herausforderung, ihre Marketingaktivitäten grundlegend anzupassen, indem sie den Wechsel vom Push-Marketing zum Pull-Marketing vollziehen. Genau an dieser Stelle scheitern gegenwärtig jedoch die meisten deutschen Unternehmen, die das Thema Social Media weitestgehend ignorieren.

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Geschaeftsmodelle: Groupon-Mania, Professional Services  und werbefinanzierte Erloesmodelle

Den Preis für das meistkopierte Geschäftsmodell hat im Januar ohne Zweifel Groupon gewonnen. Alleine in Deutschland sind binnen weniger Wochen mit Citydeal, DailyDeal, Reduti.de, CoupoMania, iKapon, UnserDeal, Heimatpreis, CooleDeals und Teambon fast ein Duzend Groupon-Klons an den Start getreten; über das Für und Wider solcher Klone wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. Erwähnenswerte sind an dieser Stelle daher auch vielmehr Dienste wie ScoutMob, der das Prinzip von Groupon  & Woot vom stationären auf das mobile Internet übertragen und sich damit klar von den vorhandenen Klonen abgrenzen.

Neben der Groupon-Mania ist mir persönlich der Dienst MyGengo in Erinnerung geblieben, der die Idee von Amazons Mechanical Turk auf den Markt für Übersetzungsdienstleistungen überträgt. Mehr als 600 zertifizierte Dolmetscher sind dieser Plattform bereits angeschlossen und auch das Erlösmodell scheint plausibel: In Abhängigkeit der gewünschten Qualität und erforderlichen Zeit für die Übersetzung, können die Kunden aus verschiedenen Preisstaffeln wählen. Innerhalb weniger Stunden erhalten sie anschließend die eigentliche Übersetzung. Vom Prinzip her handelt es sich bei MyGengo somit um einen Intermediär, der bestimmte Daten zur Vermittlung von Dienstleistungen im Bereich Professional Services aggregiert. Der weltweite Markt für Übersetzungsdienstleistungen ist mit einem Marktvolumen von rund US-$ 3 Milliarden grundsätzlich auch interessant. Ebenso spannend sind meines Erachtens jedoch die Möglichkeiten, die mit einer Adaption dieses Geschäftsmodells auf andere Dienstleistungsbereiche einhergehen; lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Beitrag von Alex zum Thema Ideen für Geschäftsideen 2010.

Schlechte Neuigkeiten gibt es schließlich für Unternehmen, deren Erlösmodelle maßgeblich auf Online Werbung aufbauen: Die Tausenderkontaktpreise befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Von dieser Entwicklung sind gleichermaßen die Vermarkter betroffen, deren Margen zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen werden. Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Margen bei letztgenannten noch stärker unter Druck geraten, da kein anderer als Google hat seinen Eintritt in den Markt für Displaywerbung angekündigt.

Kategorie 2008
2009
2010
Definition
TKP brutto 20 € 18 € 14 € durchschnittlicher Preis für Online-Werbeflächen in Deutschland gemäß Preisliste der Vermarkter
TKP netto 14 € 4 € 5 € durchschnittlicher Preis für Online-Werbeflächen in Deutschland der Vermarkter nach allen Rabatten
CPCs 0,38 € 0,25 € 0,27 € Durchschnittlicher Cost per Click
Auslastung 45 % 30 % 32 % Anteil der verfügbaren AdImpressions, die vom Website-Betreiber bzw. dessen exklusivem Erstvermarkter verkauft wurden
Click Rates 0,2 % 0,2 % 0,2 % AdClicks / AdImpressions
Conversion Rates 1,5 % 1,5 % 1,5 % Online-Sales / AdClicks

Quelle: iBusiness

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Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Chancen und Risiken von Produkt-Klonen

20 Jan

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Chancen und Risiken von Produkt-Klonen
„Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“ Dieser Leitsatz wird seit Jahren in der deutschen Internetbranche beherzigt. StudiVZ ist sicherlich eines der bekanntesten und dreistesten Beispiele für die Kopie eines erfolgreichen Produkts. Angefangen von dem Design über Auszüge des Quellcodes wurde hier das Studentennetzwerk Facebook mehr oder weniger 1:1 kopiert. Ein Ende der „Klon-Wars“ ist gegenwärtig nicht absehbar – im Gegenteil: Jüngst wurde Groupon als Objekt der Begierde auserkoren und die Copy Cats öffnen nahezu im Wochentakt ihre Pforten.
An dieser Stelle geht es jedoch nicht darum, das kopieren von Produktideen pauschal zu verurteilen. Zwar ist darin durchaus ein ethisch fragwürdiger Ansatz zu sehen. Allerdings darf man auch nicht übersehen, dass mit dem „klonen“ auf den ersten Blick sogar zahlreiche Vorteile verbunden sind:
Haben sich die Vorbilder in anderen Ländern bereits im Markt bewährt, ist zumindest gewährleistet, dass die Idee auf Akzeptanz beim Kunden stößt. Nicht selten erscheinen sie deshalb zumindest mittelfristig als vielversprechend.
Bei bislang nur wenig bekannten Produktkonzepten ist es leichter, potenzielle Investoren vom Potential der eigenen Idee zu überzeugen, indem auf ein ähnliches und erfolgreiches Produkt im Ausland verwiesen wird.
Bei Kopien etablierter Produkte fallen die Entwicklungskosten mehrheitlich deutlich geringer aus als bei Produktinnovationen, da sich z. B. der erforderliche Funktionsumfang aus den bestehenden Produkten ableiten lässt und der FuE-Aufwand entfällt.
Insbesondere wenn das Originalprodukt in einem anderen Sprachraum verbreitet ist und bislang keine lokale Version existiert, liegt es nahe, über die Einführung eines ähnlichen Produkts nachzudenken – sofern der strategische Fit zu den Bestandsprodukten gegeben ist und die Produktidee die allgemeinen Akzeptanzkriterien des Unternehmens erfüllt. Die Sprachbarrieren führen zu einer gewissen Marktabgrenzung, so dass keine unmittelbare Konkurrenzsituation zu dem Originalprodukt gegeben ist. Liegen keine Sprachbarrieren vor, muss das imitierende Unternehmen hingegen schon sehr deutlich aufzeigen, warum die Anwender nicht beim etablierten Produkt verharren sollen.
Allerdings gelingt es den meisten Unternehmen nicht, von diesen Startvorteilen langfristig zu profitieren. Genauer gesagt erweist sich das klonen von Produktideen häufig sogar als existenzgefährdend. Warum? Die meisten Klone verfolgen keine eigenständige und langfristige Produktstrategie. Gerade aber das kopieren von Produktideen muss mit einer klaren Strategie verbunden sein, die zukunftsweisend und darauf ausgerichtet ist, eine eigenständige Marktposition zu etablieren und diese durch ständige Produktinnovationen auszubauen. Andernfalls läuft man dem Markt permanent hinterher! Vorschläge wie, „unser Produkt soll genauso funktionieren wie das von Wettbewerber XY“, sind zwar durchaus willkommen; sie müssen aber stets vor dem Hintergrund der Produktstrategie hinterfragt werden. Nur dann verkommt das eigene Portfolio nicht zu einer beliebigen Ansammlung von Konkurrenzangeboten und Mode-Produkten. Und nur in diesem Fall ist es möglich, eigenständige Differenzierungsmerkmale herauszuarbeiten. In dieser Eigenständigkeit ist sicherlich auch einer der Gründe zu sehen, warum Facebook innerhalb eines Jahres vom Underdog zum Marktführer im Bereich der Social Networks in Deutschland avancieren konnte. Gute Ideen und innovative Produktkonzepte werden vom Anwender honoriert!

„Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“ Dieser Leitsatz wird seit Jahren in der deutschen Internetbranche beherzigt. StudiVZ ist sicherlich eines der bekanntesten und dreistesten Beispiele für die Kopie eines erfolgreichen Produkts. Angefangen von dem Design über Auszüge des Quellcodes wurde hier das Studentennetzwerk Facebook mehr oder weniger 1:1 kopiert. Ein Ende der „Klon-Wars“ ist gegenwärtig nicht absehbar – im Gegenteil: Jüngst wurde Groupon als Objekt der Begierde auserkoren und die Copy Cats öffnen nahezu im Wochentakt ihre Pforten.

An dieser Stelle geht es jedoch nicht darum, das kopieren von Produktideen pauschal zu verurteilen. Zwar ist darin durchaus ein ethisch fragwürdiger Ansatz zu sehen. Allerdings darf man auch nicht übersehen, dass mit dem „klonen“ auf den ersten Blick sogar zahlreiche Vorteile verbunden sind:

  • Haben sich die Vorbilder in anderen Ländern bereits im Markt bewährt, ist zumindest gewährleistet, dass die Idee auf Akzeptanz beim Kunden stößt. Nicht selten erscheinen sie deshalb zumindest mittelfristig als vielversprechend.
  • Bei bislang nur wenig bekannten Produktkonzepten ist es leichter, potenzielle Investoren vom Potenzial der eigenen Idee zu überzeugen, indem auf ein ähnliches und erfolgreiches Produkt im Ausland verwiesen wird.
  • Bei Kopien etablierter Produkte fallen die Entwicklungskosten mehrheitlich deutlich geringer aus als bei Produktinnovationen, da sich z. B. der erforderliche Funktionsumfang aus den bestehenden Produkten ableiten lässt und der FuE-Aufwand entfällt.
  • Insbesondere wenn das Originalprodukt in einem anderen Sprachraum verbreitet ist und bislang keine lokale Version existiert, liegt es nahe, über die Einführung eines ähnlichen Produkts nachzudenken – sofern der strategische Fit zu den Bestandsprodukten gegeben ist und die Produktidee die allgemeinen Akzeptanzkriterien des Unternehmens erfüllt. Die Sprachbarrieren führen zu einer gewissen Marktabgrenzung, so dass keine unmittelbare Konkurrenzsituation zu dem Originalprodukt gegeben ist. Liegen keine Sprachbarrieren vor, muss das imitierende Unternehmen hingegen schon sehr deutlich aufzeigen, warum die Anwender nicht beim etablierten Produkt verharren sollen.

Allerdings gelingt es den meisten Unternehmen nicht, von diesen Startvorteilen langfristig zu profitieren. Genauer gesagt erweist sich das klonen von Produktideen häufig sogar als existenzgefährdend. Warum? Den meisten Klonen liegt keine eigenständige und langfristige Produktstrategie zugrunde. Gerade aber das kopieren von Produktideen muss mit einer klaren Strategie verbunden sein, die zukunftsweisend und darauf ausgerichtet ist, eine eigenständige Marktposition zu etablieren und diese durch ständige Produktinnovationen auszubauen. Andernfalls läuft man dem Markt permanent hinterher! Vorschläge wie, „unser Produkt soll genauso funktionieren wie das von Wettbewerber XY“, sind zwar durchaus willkommen; sie müssen aber stets vor dem Hintergrund der Produktstrategie hinterfragt werden. Nur dann verkommt das eigene Portfolio nicht zu einer beliebigen Ansammlung von Konkurrenzangeboten und Mode-Produkten. Und nur in diesem Fall ist es möglich, eigenständige Differenzierungsmerkmale herauszuarbeiten. In dieser Eigenständigkeit ist sicherlich auch einer der Gründe zu sehen, warum Facebook innerhalb eines Jahres vom Underdog zum Marktführer im Bereich der Social Networks in Deutschland avancieren konnte. Gute Ideen und innovative Produktkonzepte werden vom Anwender honoriert!

Weiterfuehrende Artikel:

What it means to be a great company

16 Jan

Was zeichnet ein großartiges Unternehmen aus? Zu diesem Thema hielt Fred Wilson – gegenwärtig einer der bekanntesten Venture-Capital-Geber im Internet-Umfeld – einen Vortrag auf dem SeedCamp2009, durch den ich bei Exciting Commerce aufmerksam wurde. Inhaltlich stellt dieser Vortrag eine durchaus inspirierende Ergänzung zu der in letzter Zeit immer häufiger angesprochenen Innovations- und Copy-Cat-Problematik der deutschen Internetwirtschaft dar (vgl. hierzu z. B. Exciting Commerce, Netzwertig), wo jüngst das Rennen um den besten Groupon-Klon eröffnet wurde (vgl. Kassenzone). Nicht zuletzt aus diesem Grund erscheint es interessant, die zentralen Aussagen dieses Vortrags zu übersetzen und in Form eines kurzen Beitrags aufzuarbeiten. Die dabei angesprochenen Merkmale “großartiger Unternehmen” lassen sich vier Themenbereichen zuordnen, die mit der

  • Bedeutung des Unternehmertums, dem
  • Erhalt der Innovationsfähigkeit, der
  • Akzentuierung langfristiger Unternehmensinteressen sowie der
  • Kundenfokussierung/-wertschätzung zusammenhängen.

Was sind vor diesem Hintergrund nun die Merkmale, die großartige Unternehmen aufweisen?

Merkmal 1: Good companies are build to last!

Seit mehreren Jahren lässt sich erkennen, dass immer mehr Copy Cats den Markt überfluten. Dahinter steht nicht selten die Absicht, einen schnellen Exit zu realisieren. Die so genannte E-Commerce-Offensive der Samwers ist sicherlich eines der bekanntesten Beispiele für einen solchen Ansatz in Deutschland, wo neue E-Commerce-Ansätze ebenso schnell aufgebaut wie verworfen werden. Wilson stellt in diesem Zusammenhang die Frage, wie solche Unternehmen ernsthaft ein exzellentes und nachhaltiges Produkt entwickeln können, wenn die Gründer nur nach einem kurzfristigen Exit streben. Daher investiere er nur in solche Unternehmen, deren Management-Team keine Zweifel daran lässt, ein nachhaltiges und wirtschaftliches Wachstum zu forcieren. Grundsätzlich finden zwar auch immer wieder Copy Cats Investoren, so Wilson. Die betreffenden Klone stehen jedoch häufig bereits nach kurzer Zeit vor der Herausforderung, sich in einem äußerst wettbewerbsintensiven Wettbewerbsumfeld behaupten zu müssen – ohne dass ein echten Mehrwert im Konkurrenzvergleich für den Anwender erkennbar ist. Treffend hält Wilson fest, dass großartige Unternehmen gewöhnlich eine große Idee erfinden und nicht kopieren, womit wir zum zweiten Merkmal großartiger Unternehmen kommen.

Merkmal 2: Great companies are constantly innovating!

Großartige Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Innovationsfähigkeit stetig in Form neuer Produktideen und Prototypen unter Beweis stellen. Allerdings gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Fähigkeit dauerhaft zu erhalten. Da mit dem zunehmenden Unternehmenswachstum der Bürokratie- und Koordinationsaufwand steigt, steht insbesondere auch den Gründern – die sich in einer frühen Phase der Unternehmensgründung vordergründig auf die Entwicklung und Realisierung neuer Produktideen konzentrieren – immer weniger Zeit für Innovationen zur Verfügung. Ihr Aufgabenfeld verschiebt sich vielmehr von der Ideenrealisierung zur Ideenverwaltung; damit umschreibt Wilson implizit ein Phänomen, dass in der Soziologie als Parkinsonsches Gesetz bekannt ist. Bereits ein Start-up muss sich daher mit der Frage beschäftigen, wie es seine Innovationsfähigkeit langfristig erhalten kann, auch wenn momentan noch keine Anzeichen für Innovationsprobleme erkennbar sind. Zentral für den Erhalt der Innovationsfähigkeit ist nach Wilson vor allem die Fähigkeit, schlechte Ideen schell zu verwerfen und sich von Rückschlägen nicht abschrecken zu lassen. Genau in diesem Punkt sieht Wilson auch den “Spirit des Valleys” begründet. Anders formuliert: Frühzeitiges und bewusstes scheitern ist eine durchaus erstrebenswerte Eigenschaft. Zum einen lässt sich auf diesem Wege sicherstellen, dass nicht unnötige Ressourcen für durchschnittliche Produktideen beansprucht werden. Zum anderen ist es nicht unüblich, dass unrealistische Ideen häufig auch einen Anstoß für großartige Ideen geben können. Entsprechend hält Wilson fest: “Fail fast. If the idea does not work: Give it up“ – diese Aussage unterstreicht noch einmal die bereits an anderer Stelle angesprochene strategische Bedeutung von Prototypen in der Softwareentwicklung.

Merkmal 3: Great companies are lead by entrepreneurs that make decisions based on long term business needs!

Das Ziel der Unternehmenstätigkeit besteht nicht darin, am Ende des Geschäftsjahres ein Gewinn in Höhe von US-$ 5 Millionen zu erwirtschaften. Großartige Unternehmen und deren Entscheider gehen vielmehr der Frage nach, wie sie in fünf Jahren einen Gewinn in Höhe von US-$ 500 Millionen realisieren, so Wilson. Ein Ansatz um diese langfristige Denkweise zu forcieren sieht er unter anderem darin, die Provisionen von Top-Entscheidern an die langfristige Entwicklung des Unternehmens zu koppeln – eine nicht grundsätzlich neue Erkenntnis. Bedeutsamer als die eigentliche Incentivierung der Entscheidungsträger sei es jedoch, dass diese aus intrinsischen Motiven das Unternehmen langfristig vorantreiben. Dieses Ziel können sie sowohl als Geschäftsführer aber auch als “graue Eminenz” im Hintergrund erreichen. Letztgenannter Fall zielt dabei auf den Umstand ab, dass zahlreiche Gründer nach gewisser Zeit durch externe Geschäftsführer ersetzt werden. Nach Wilson müsse so eine Maßnahme jedoch nicht bedeuten, dass sich die Gründer aus dem Geschäft zurückziehen. Erstrebenswerter sei es, wenn sie im Unternehmen verbleiben, um die langfristige Umsetzung ihrer Produktidee sicherzustellen. Ein Unternehmen kann zwar auch ohne den Gründer erfolgreich und langfristig am Markt bestehen: Im Idealfall sollte dieser Weg jedoch gemeinsam bestritten werden.

Merkmal 4: Great Companies always put the user in first place (…) and infect their customers with their brand!

Den entscheidenden Punkt für den langfristigen Unternehmenserfolg sieht Wilson schließlich darin, dass großartige Unternehmen den Kunden immer an vorderste Stelle rücken. Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage ebenso selbstverständlich wie trivial. So wird mit hoher Wahrscheinlichkeit jedes Unternehmen betonen, den Kunden stets in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Blick in die Praxis zeigt aber auch, dass dies nur wenigen Unternehmen wirklich gelingt. Gerade in größeren Unternehmen verbringen die Produktverantwortlichen einen immer größer werdenden Teil ihrer Arbeitszeit damit, die Interessen interner Stakeholder zu befriedigen. Dieser Umstand wurde jüngst auch von der Silicon Valley Software Group angesprochen und kritisiert: “The job of the product manager devolves into one of documenting stakeholder requirements, mediating conflicting objectives, and allocating the limited developer resources to try to satisfy as many of the stakeholders as possible”. Für den eigentlichen Endkunden verbleibt jedoch immer weniger Zeit. Großartige Unternehmen zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie im Zweifelsfall stets die Kunden und nicht die internen Stakeholder in den Vordergrund rücken.

Jetzt gilt es natürlich die Frage zu beantworten, wer von uns in einem großartigen Unternehmen arbeitet : -)

Was zeichnet ein großartiges Unternehmen aus? Zu diesem Thema hielt Fred Wilson – gegenwärtig einer der bekanntesten Venture-Capital-Geber im Internet-Umfeld – einen Vortrag auf dem SeedCamp2009. Inhaltlich stellt dieser Vortrag eine durchaus inspirierende Ergänzung zu der in letzter Zeit immer häufiger angesprochenen Innovations- und Copy-Cat-Problematik der deutschen Internetwirtschaft dar (vgl. z. B. Exciting Commerce, Kassenzone, Netzwertig). Daher erscheint es interessant, die zentralen Aussagen dieses Vortrags zu übersetzen und in Form eines kurzen Beitrags aufzuarbeiten. Die in diesem Zusammenhang angesprochenen Merkmale großartiger Unternehmen lassen sich dabei vier Themenbereichen zuordnen, die mit der
Bedeutung des Unternehmertums, dem
Erhalt der Innovationsfähigkeit, der
Akzentuierung langfristiger Unternehmensinteressen sowie der
Kundenfokussierung/-wertschätzung zusammenhängen.
Was sind vor diesem Hintergrund nun die Merkmale, die großartige Unternehmen aufweisen?
Merkmal 1: Good companies are build to last!
Seit mehreren Jahren lässt sich erkennen, dass immer mehr Copy Cats den Markt überfluten. Dahinter steht nicht selten die Absicht, einen schnellen Exit zu realisieren. Die so genannte E-Commerce-Offensive der Samwers ist sicherlich eines der bekanntesten Beispiele für einen solchen Ansatz in Deutschland, wo neue E-Commerce-Ansätze ebenso schnell aufgebaut wie verworfen werden. Wilson stellt in diesem Zusammenhang die Frage, wie solche Unternehmen ernsthaft ein exzellentes und nachhaltiges Produkt entwickeln können, wenn die Gründer nur nach einem kurzfristigen Exit streben. Daher investiere er nur in solche Unternehmen, deren Management-Team keine Zweifel daran lässt, ein nachhaltiges und wirtschaftliches Wachstum zu forcieren. Grundsätzlich finden zwar auch immer wieder Copy Cats Investoren, so Wilson. Die betreffenden Klone stehen jedoch häufig bereits nach kurzer Zeit vor der Herausforderung, sich in einem äußerst wettbewerbsintensiven Wettbewerbsumfeld behaupten zu müssen – ohne dass ein echten Mehrwert im Konkurrenzvergleich für den Anwender erkennbar ist. Treffend hält Wilson fest, dass großartige Unternehmen gewöhnlich eine große Idee erfinden und nicht kopieren, womit wir zum zweiten Merkmal großartiger Unternehmen kommen.
Merkmal 2: Great companies are constantly innovating!
Großartige Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Innovationsfähigkeit stetig in Form neuer Produktideen und Prototypen unter Beweis stellen. Allerdings gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Fähigkeit dauerhaft zu erhalten. Da mit dem zunehmenden Unternehmenswachstum der Bürokratie- und Koordinationsaufwand steigt, steht insbesondere auch den Gründern – die sich in einer frühen Phase der Unternehmensgründung vordergründig auf die Entwicklung und Realisierung neuer Produktideen konzentrieren – immer weniger Zeit für Innovationen zur Verfügung. Ihr Aufgabenfeld verschiebt sich vielmehr von der Ideenrealisierung zur Ideenverwaltung; damit umschreibt Wilson implizit ein Phänomen, dass in der Soziologie als Parkinsonsches Gesetz bekannt ist. Bereits ein Start-up muss sich daher mit der Frage beschäftigen, wie es seine Innovationsfähigkeit langfristig erhalten kann, auch wenn momentan noch keine Anzeichen für Innovationsprobleme erkennbar sind. Zentral für den Erhalt der Innovationsfähigkeit ist nach Wilson vor allem die Fähigkeit, schlechte Ideen schell zu verwerfen und sich von Rückschlägen nicht abschrecken zu lassen. Genau in diesem Punkt sieht Wilson auch den “Spirit des Valleys” begründet. Anders formuliert: Frühzeitiges und bewusstes scheitern ist eine durchaus erstrebenswerte Eigenschaft. Zum einen lässt sich auf diesem Wege sicherstellen, dass nicht unnötige Ressourcen für durchschnittliche Produktideen beansprucht werden. Zum anderen ist es nicht unüblich, dass unrealistische Ideen häufig auch einen Anstoß für großartige Ideen geben. Entsprechend hält Wilson fest: “Fail fast. If the idea does not work: Give it up“ – diese Aussage unterstreicht noch einmal die bereits an anderer Stelle angesprochene strategische Bedeutung von Prototypen in der Softwareentwicklung.
Merkmal 3: Great companies are lead by entrepreneurs that make decisions based on long term business needs!
Das Ziel der Unternehmenstätigkeit besteht nicht darin, am Ende des Geschäftsjahres ein Gewinn in Höhe von US-$ 5 Millionen zu erwirtschaften. Großartige Unternehmen und deren Entscheider gehen vielmehr der Frage nachgehen, wie sie in fünf Jahren einen Gewinn in Höhe von US-$ 500 Millionen Gewinn realisieren, so Wilson. Ein Ansatz um diese langfristige Denkweise zu forcieren sieht er unter anderem darin, die Provisionen von Top-Entscheidern an die langfristige Entwicklung des Unternehmens zu koppeln – eine nicht grundsätzlich neue Erkenntnis. Bedeutsamer als die eigentliche Incentivierung der Entscheidungsträger sei es jedoch, dass diese aus intrinsischen Motiven das Unternehmen langfristig vorantreiben. Dieses Ziel können sie sowohl als Geschäftsführer aber auch als “graue Eminenz” im Hintergrund erreichen. Letztgenannter Fall zielt dabei auf den Umstand ab, dass zahlreiche Gründer nach gewisser Zeit durch externe Geschäftsführer ersetzt werden. Nach Wilson müsse so eine Maßnahme jedoch nicht bedeuten, dass sich die Gründer aus dem Geschäft zurückziehen. Erstrebenswerter sei es, wenn sie im Unternehmen verbleiben, um die langfristige Umsetzung ihrer Produktidee sicherzustellen. Ein Unternehmen kann zwar auch ohne den Gründer erfolgreich und langfristig am Markt bestehen: Im Idealfall sollte dieser Weg jedoch gemeinsam bestritten werden, so Wilson.
Merkmal 4: Great Companies always put the user in first place (…) and infect their customers with their brand!
Den entscheidenden Punkt für den langfristigen Unternehmenserfolg sieht Wilson schließlich darin, dass großartige Unternehmen den Kunden immer an vorderste Stelle rücken. Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage ebenso selbstverständlich wie trivial. So wird mit hoher Wahrscheinlichkeit jedes Unternehmen betonen, den Kunden stets in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Blick in die Praxis zeigt aber auch, dass dies nur wenigen Unternehmen gelingt. Gerade in größeren Unternehmen verbringen die Produktverantwortlichen einen immer größer werdenden Teil ihrer Arbeitszeit damit, die Interessen interner Stakeholder zu befriedigen. Dieser Umstand wurde jüngst auch von der Silicon Valley Software Group angesprochen und kritisiert: “The job of the product manager devolves into one of documenting stakeholder requirements, mediating conflicting objectives, and allocating the limited developer resources to try to satisfy as many of the stakeholders as possible”. Für den eigentlichen Endkunden verbleibt jedoch immer weniger Zeit. Großartige Unternehmen zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie im Zweifelsfall stets die Kunden und nicht die internen Stakeholder in den Vordergrund rücken.
Jetzt gilt es natürlich die Frage zu beantworten, wer von uns in einem großartigen Unternehmen arbeitet :-)

Seedcamp Week ‘09. Day 4. Masterclass with Fred Wilson from Seedcamp on Vimeo.

Die strategische Bedeutung von Klick-Prototypen!

7 Nov

Die strategische Bedeutung von Klick-Prototypen!

Klick-Prototypen haben eine strategische Bedeutung! Eine bewusst provokant gewählte Überschrift für diesen Blogbeitrag, nicht zuletzt da Klick-Prototypen damit auf die gleiche Ebene wie die Produktstrategie gestellt werden. Bei genauerer Betrachtung ist dieser Vergleich aber durchaus gerechtfertigt, nicht zuletzt da nach wie vor zahlreiche Produkte nach dem Wasserfallmodell entwickelt werden, ohne die Kunden in den Entwicklungsprozess zu integrieren: In der knapp 20-jährigen Geschichte des Internets hat sich allerdings mehrfach gezeigt, dass auf diesem Wege Produkte mit großer Wahrscheinlichkeit an den Bedürfnissen der Anwender vorbei entwickelt werden. Für ein Start-up bedeutet dies in der Regel das Aus. Aber auch etablierte Unternehmen müssen in so einer Situation beachtliche Verluste in Kauf nehmen, z. B. in Form von Gewinnausfällen oder Imageverlusten. Klick-Prototypen können in frühen Phasen der Produktentwicklung einen Beitrag leisten, diese Risiken zu mindern. Aber auch aus anderen Gründen leisten Klick-Prototypen wertvolle Hilfe im Entwicklungsprozess:

  • Prototypen erlauben es in sehr frühen Phasen des Entwicklungsprojektes, dass Produktkonzept mit Anwendern zu testen.
  • Ebenso dienen sie als Gesprächsgrundlage mit der Softwareentwicklung, um die technische Machbarkeit zu diskutieren.
  • Im Kick-off Meeting lassen sich auf Grundlage eines Prototypen die Projektziele deutlich prägnanter darstellen, als es in Form einer traditionellen PowerPoint Präsentation möglich wäre.
  • In der Produktentwicklung geben Prototypen für die Entwickler wertvolle Hinweise, wie ein Produkt auf bestimmte Aktionen der Anwender reagieren soll.
  • Aus dem gleichen Grund ist es auch für die Qualitätssicherung deutliche einfacher Test Cases zu schreiben.
  • Im Gegensatz dazu ist es auf Basis einer traditionellen und schriftlichen Produktspezifiktion so gut wie unmöglich, dieses Verhalten exakt und in kompakter Form zu beschreiben.
  • Schließlich leisten Prototypen einen signifikanten Beitrag, um die Projektkosten zu senken und die anvisierten Termine einzuhalten, da z. B. Usability-Tests vor dem eigentlichen Entwicklungsstart durchgeführt werden können. Aus diesem Grund kommt es während der eigentlichen Produktentwicklung zu deutlich weniger Änderungswünschen, aufgrund derer in der Vergangenheit zahlreiche Entwicklungsprojekte Schiffbruch erlitten.

Vor diesem Hintergrund sprechen sich Branchenexperten immer häufiger dafür aus, dass solche Prototypen den Ausgangspunkt jedes Entwicklungsprojektes darstellen und auch die traditionelle Produktspezifikation in Form eines Word Dokuments ersetzen sollten. Für die Erstellung des eigentlichen Prototypen bedarf es dabei nur weniger Personen, die jedoch mit den Themen Interaction Design, Visual Design, Rapid Prototyping und dem Usability Engineering vertraut sein müssen. Mit der Kenntnis dieser Fachgebiete ist es relativ einfach, auf Basis eines Prototypen-Tools – wie z. B. Axure – die Produktidee in ein testbares Konzept zu überführen. Die Mitwirkung der Softwareentwicklung ist in diesem Zusammenhang in der Regel noch nicht erforderlich, da Prototypen mehrheitlich keine echten Funktionalitäten und Daten erfordern. Die Daten und Inhalte werden vielmehr simuliert, um ohne größeren Aufwand zu einem Prototypen zu gelangen, der bestimmte Funktionen realitätsnah abbildet und als Grundlage für Usability-Tests fungiert. Zur Erstellung des eigentlichen Prototypen werden alle Bestandteile des anvisierten Produktes, wie z. B. die einzelnen Seiten- und Navigationselemente, mit einem Prototypen-Tool erstellt, mit den entsprechenden Menüs beschriftet und gegebenenfalls mit ersten Designentwürfen angereichert. Auf dieser Grundlage ist es in zeitnah möglich, ein realitätsnahes Abbild des anvisierten Produktes zu erstellen. Im Zuge von Nutzertests sind solche Prototypen im nächsten Schritt so lange iterativ zu präzisieren und optimieren, bis die Anwender die grundlegenden User Stories bzw. Nutzungsszenarien ohne größere Probleme verstehen.

Ungeachtet dieser Vorteile spielen Prototypen in der Softwarebrache nach wie vor eine untergeordnete Rolle, obwohl sie gerade für den Einsatz in diesem Umfeld prädestiniert sind. In dieser Hinsicht kann die Internetbranche selbst von traditionellen Wirtschaftszweigen noch viel lernen: So wäre es in der Automobilindustrie beispielsweise vollkommen undenkbar, eine Neuproduktentwicklung anzustoßen, ohne das anvisierte Fahrzeug zuvor in Form eines virtuellen oder physischen Prototypen zu testen.

Anmerkung: Das Bild dieses Artikels stammt von AutoScout24, wo zur Erstellung von “Autowissen” ebenfalls ein Prototyp zum Einsatz kam; viele Grüße übrigens an dieser Stelle an die ehemaligen Kollegen ;-)

Blogs zum Thema Online Produktmanagement

18 Okt

Blogs zum Thema Online Produktmanagement

Blogs gewinnen immer mehr an Bedeutung, insbesondere wenn es um den Austausch von Fachinformationen geht, die in den traditionellen Medien nur bedingt thematisiert werden. Nach wie vor zählt auch das Online Produktmanagement zu diesen Nischenthemen, wobei dieser Umstand grundsätzlich erstaunt: Selbst das Bundeswirtschaftsministerium weist auf die besondere Bedeutung der elektronischen Geschäftstätigkeit für die zukünftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung hin.

Vor diesem Hintergrund lassen sich grundsätzlich zahlreiche Blogs identifizieren, die sich mit allgemeinen Internetthemen und -trends auseinandersetzen (z. B. TechCrunch, ReadWriteWeb, Silicon Alley Insider, etc.). Es existieren jedoch deutlich weniger Blogs, die explizit auf das Thema Online Produktmanagement und angrenzende Themengebiete abstellen. Die wichtigsten – und aus meiner Sicht interessantesten – Blogs zu diesem Thema werden in diesem Beitrag in kompakter Form vorgestellt, um den Zugang zu diesen Fachinformationen zu erleichtern; die hier vorgestellte Liste wird in Zukunft noch weiter ausgebaut.

  • An erster Stelle sei auf das Blog der Silicon Valley Product Group hingewiesen, indem einschlägige Branchenexperten, wie z. B. Marty Cagan, regelmäßig über ihre Erfahrungen im Bereich der Online Produktentwicklung berichten. Inhaltlich werden dabei sowohl strategische als auch operative Fragestellungen des Online Produktmanagements aufgearbeitet, angefangen von der Ideengenerierung über die Ausarbeitung von Produktspezifikationen bis hin zum operativen Betrieb und der organisatorischen Verankerung des Produktmanagements im Unternehmen.
  • Das Thema Produkt-/Softwareentwicklung wird im „SCRUM Log“ von Jeff Sutherland umfassend behandelt, der neben Ken Schwaber zu den Erfindern von SCRUM zählt. Entsprechend der Fokussierung auf den Produktentwicklungsprozess und die operative Projektsteuerung, steht in diesem Blog die Auseinandersetzung mit agilen Methoden der Softwareentwicklung im Vordergrund. Das Blog von OOSE ist ebenfalls ein guter Anlaufpunkt im deutschsprachigen Raum, um sich intensiver mit den Themen Software-Engineering und Projektmanagement auseinanderzusetzen. 
  • Wenn es um das Thema Produktentwicklung geht, spielt im Online Produktmanagement naturgemäß das Thema Usability eine zentrale Rolle. Im Usabibiltyblog finden sich zu diesem Thema zahlreiche und detaillierte Beiträge, die von mehr als 30 Autoren mit einschlägiger Branchenerfahrung verfasst wurden bzw. werden. Im englischsprachigen Raum existiert mit UxBooth ein ähnlich ausgerichtetes und interessantes Blog.
  • Neben den unmittelbar mit der Produktentwicklung zusammenhängenden Fragestellungen, sei an dieser Stelle noch auf die Bedeutung des Themas Web Analytics für Online Produktmanager hingewiesen, um z. B. die Produkt-Performance zu überwachen oder in Form von A-B-Tests systematisch zur Verbesserung von Bestandsprodukten beizutragen. Im deutschsprachigen Raum stechen in diesem Kontext die Blogs Timo Aden, Webanalyse-News und  Web-Analytics-nutzen hervor. Ferner sei an dieser Stelle das Blog WatchingWebsites genannt, das gleichzeitig das bei O`Reilly erschienene Buch „Complete Web Monitoring“ ergänzt.

Über Vorschläge und Hinweise zu weiteren PM-Blogs würde ich mich freuen.